„Da!, nein da!“ – Nach dem G20-Gipfel kann die Welt nicht einfach genug sein

Nach Ereignissen wie diesen fällt einem immer wieder das Lieblingswort des Zeit-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo ein: Deutungsdemut.

Die Meinungen nach dem G20-Gipfel scheinen wie festgefahren. Gewalttätige Linksextremisten auf der einen, unverhältnismäßige Polizeiaktionen auf der anderen Seite. Alles richtig, alles absolute Wahrheiten!

Ob die Bild-Zeitung heute der Polizei ein ganzseitiges „Danke“ präsentieren und dazu auch einen Bildschirmhintergrund hochlädt oder andere Journalisten auf gewaltsame Polizisten und eine falsche Polizeitaktik hinweisen: Diese Einseitigkeit ist immer dabei.

Dabei bieten die Ereignisse um den G20-Gipfel allein im Internet zu viel Material für einen kompletten Überblick. Das Meer an Informationen durch Smartphonekameras, Journalisten, Polizeidarstellungen und Augenzeugenberichten ist eben, was es ist: ein Meer. Zu groß, um es zu überblicken. Umso schwieriger ist es, wenn die Ereignisse in feste Denkmuster eingeordnet werden und einer (Selbst)Bestätigung dienen.

Wenn die Bundesregierung heute erklärt, sich zu keinem polizeilichen Fehlverhalten äußern zu müssen, dann fehlt genau so ein Stück des Puzzles wie wenn die Bild den sanften Umgang der Polizei kritisiert. Es gab in den letzten Tagen alles: Polizisten, die gegen einen Gerichtsbeschluss ein Camp räumen, flaschenwerfende und autoanzündende Randalierer, eskalierendes Polizeiverhalten und schlimmste Verwüstungen. Und auch das ist natürlich eine unvollständige Aufzählung.

Komplexität kann nicht mit Einfachheit begegnet werden. Kein beteiligter Akteur hat in der vergangenen Woche in Hamburg eine weiße Weste behalten. Fehler anzusprechen und Kritik zu äußern ist bitter nötig. Es muss und darf aber nicht dazu verleiten andere Aspekte auszublenden. Ein vollständiges Bild ist schwierig.

Umso wichtiger ist ein wenig Zurückhaltung und Deutungsdemut. Das gilt nicht nur in Bezug auf diesen G20-Gipfel.

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