Apple, dieses Geschenk wäre nun wirklich nicht nötig gewesen

In der Musikindustrie wird es in der letzten Zeit immer mehr zum Trend unorthodoxe Vermarktungswege einzuschlagen. Kanye West veröffentlichte letztes Jahr sein Album „Yeezus“ ohne radiotaugliche Single. Jay Z konnte bei seinem aktuellem Album „Magna Carta Holy Grail“ einen Deal mit dem südkoreanischen Konzern Samsung aushandeln, bei welchem eine Millionen Downloads seiner Platte für Samsung Nutzer verfügbar gemacht wurden. Dessen Frau Beyoncé veröffentlichte ihren nach sich selbst benannten Langspieler letztes Jahr im Dezember daraufhin ohne Ankündigung als visuelles Album und schenkte jedem Titel eine audiovisuelle Umsetzung.

Der Trend mutiert also zur Herausforderung und Kampfansage an die Marketingabteilung der anderen Künstler. Das gegenseitige anstacheln bietet dem Konsumenten und vor allem Fan einen spannenden und unkonventionellen Weg an die Musik des jeweiligen Künstlers zu gelangen. Es sei denn, es befinden sich plötzlich etwas auf dem Rechner, das man nie hören wollte.

Dieses Schicksal teilten über 500 Millionen iTunes Nutzer rund um den Globus, als sich über Nacht auf einmal das neue U2 Album „Songs of Innocence“ in ihrer iCloud befand. Zunächst wirkt diese Aktion wie ein verbitterter Versuch von Apple Samsung die Stirn zu bieten, zweitens wird dadurch das Album zu einem ungewollten Geschenk. Der kalifornische Rapper Tyler, The Creator verglich auf seinem Twitter Account die Vermarktungsstrategie mit einem Pickel, den man über Nacht bekommen hat. Dieser Vergleich hinkt keine Sekunde und führt vor Augen wie frustriert der Nutzer reagiert, wenn er keine Macht mehr inne hält und nicht mehr entscheidet, was auf seinem Rechner ist und was nicht.

Wäre „Songs of Innocence“ auf herkömmlichen Wege auf den Markt gekommen, so wäre es nur das neue U2 Album. So ist das Album nichts weiter als ein Flyer, den man in der Innenstadt zugesteckt bekommen hat und am liebsten in dieser Sekunde schon wieder wegwerfen würde.

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