Die Mär von der linken Mehrheit

Von allen Seiten kommt es mir gerade unter, zuletzt von Jakob Augstein in seiner wöchentlichen Kolumne auf Spiegel Online „Im Zweifel links“. Überall wird von der linken Mehrheit gesprochen, Augstein beschreibt es so: „[…] in Deutschland festigt sich eine gesellschaftliche Mehrheit links der Mitte.“. Ein Blick auf das vorläufige amtliche Endergebnis der Bundestagswahl kann jedoch schnell für Ernüchterung sorgen. Zwar gibt es im Parlament eine linke Mehrheit mit Grünen, SPD und Linken, die vier Sitze mehr haben als für eine Mehrheit benötigt wird, jedoch spiegelt sich hierin nicht ganz die Wahl wider.

Wenn wir die Parteien in ihre Lager aufteilen – auch wenn das bei manchen mittlerweile fast problematisch ist – so ergibt sich ein anderes Bild:

Linkes LagerProzentRechtes LagerProzent
SPD25,7CDU/CSU41,5
Grüne8,4FDP4,8
Linkspartei8,6AfD4,7
Piraten2,2NPD1,3
**Gesamt****44,9****Gesamt****52,3**
** **** ****Ohne NPD****51**
Die wirkliche Wählermeinung dieser Wahl tendiert also eher in Richtung rechts, sodass sich keine „gesellschaftliche Mehrheit links der Mitte“ bildet, wie Augstein sie heraufbeschwört. So Leid es mir tut, aber selbst das Wahlergebnis 2009 spiegelt eine linke Mehrheit in der Gesellschaft eher wieder als das vom Sonntag (2009 waren es links: 47,6 – rechts: 49,9).

Natürlich kann man argumentieren, dass vieles an Angela Merkel gelegen hat, wo selbst Meinungsforscher den Erfolg der CDU nicht thematisch erklären können. Und auch Wähler, die von der Linken zur AfD gewechselt sind (wieso auch immer) sollte man wahrscheinlich nicht gleich zum rechten Lager zählen. Und trotzdem: die „linke Mehrheit“ gibt es nur dank der 5% Hürde. Eine linke Regierung im Parlament ist trotzdem möglich und man könnte sie auch machen, wenn die SPD sie nicht so vehement ausgeschlossen hätte. Man sollte sich nur zügeln von einer linken Mehrheit in der Gesellschaft zu sprechen. Die mag es thematisch vielleicht geben – im Ergebnis wird sie nicht widergespiegelt.

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