Mit der Drohne vor die Haustür (Update)

30 Minuten. Das könnte in naher Zukunft die Wartezeit sein zwischen der Bestellung beim Internethändler Amazon und der Lieferung des Paketes. Diesen Plan verkündete der Präsident des Unternehmens Jeff Bezos in der CBS Magazinsendung „60 Minutes” am gestrigen Abend.

„I know it looks like science fiction. It’s not!”, so Bezos in der Sendung. Die Drohnen sollen bis zu 5 Pfund, umgerechnet etwas unter 2,5 kg, schwere Pakete transportieren können, was laut Bezos 86% der ausgelieferten Paketen des Unternehmens entspricht. Der Radius, in dem die Drohnen eingesetzt werden sollen, beträgt 16 km vom Abwicklungszentrum, die Variante eignet sich also kaum für ländliche Regionen sondern eher für stark besiedelte Bezirke und Städte.
Interessant auch noch, dass hinter den Drohnen keine Piloten sitzen, sondern das Gefährt autonom fliegt, was jedoch auch Schwierigkeiten hervorruft: Niemand möchte, dass die Drohne plötzlich auf dem eigenen Kopf landet, so Bezos im Interview.

Zeitlich gibt sich Bezos optimistisch. Vor allem rechtliche Angelegenheiten müssen noch mit der FAA, der Luftfahrtbehörde der USA, geklärt werden, sodass es laut Bezos frühestens 2015 einen Start des Projektes geben kann. Vermutlich werden es eher vier bis fünf Jahre. (Zur offiziellen Seite des Projekts)

Traditionelle Arbeitsplätze weichen Robotern

Der Plan geht in eine vorauszusehende Richtung. Mehr und mehr der Arbeit, sowohl bei Amazon als auch in anderen Industriezweigen, wird an autonom arbeitende Systeme abgegeben, bei der kein Mensch mehr den Lieferwagen fährt, Pakete aus dem Regal nimmt oder Kartons einräumt. Der Plan mit der Drohne zeigt, dass solche Jobs sehr bald wegfallen könnten und durch Roboter ersetzt werden.

Diese Entwicklung ist gesellschaftlich interessant. Auf der einen Seite wird das Wegfallen dieser Jobs zugunsten von Robotern womöglich für eine steigende Arbeitslosigkeit sorgen. Auf der anderen Seite sind die meisten der Berufe, die bald durch Roboter ersetzt werden könnten solche, die immer wieder wegen schlechter Bezahlung und unmenschlichen Arbeitsbedingungen durch die Medien gereicht werden. Die Frage ist jetzt, was gewollt ist. Die aktuelle Politik, die sich hauptsächlich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen fokussiert scheint ihre Antwort schon gefunden zu haben.

Update: In einem Kommentar im englischsprachigen The Guardian zweifelt James Ball an dem Projekt und nennt nachvollziehbare Gründe.

(Foto: Amazon)
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