Putin: Der Feind als Freund

Gerhard Schröder und Wladimir Putin sind gute Freunde. Das kann man sicherlich kritisieren, besonders wenn, wie in diesem Falle, Schröder als Kanzler dafür gesorgt hat, dass eine Ostsee-Pipline für Erdgaslieferungen von Russland nach Deutschland gebaut wird, und schon wenige Monate nach Ende seiner Kanzlerschaft einen Posten im Aufsichtsrat des Unternehmens annimmt, dem er mit dieser Entscheidung den Auftrag lieferte (und das mehrheitlich dem russischen Großkonzern Gasprom gehört). Das stinkt stark nach Korruption und wurde damals – zurecht – von allen Richtungen stark kritisiert. (Beitrag auf Wikinews)

Wichtig ist hier jedoch vor allem, dass Gerhard Schröder und Wladimir Putin befreundet sind. Und aus diesem Grund erschien Wladimir Putin eben auch auf einer Feier von Schröders 70. Geburtstag. Da das ganze jedoch im Zuge der Ukraine-Krise und der Geiselnahme von (deutschen) OSZE-Beobachtern passiert hagelt es Kritik aus Deutschland – zu lesen im Spiegel, bei der FAZ oder in der Süddeutschen.

Nun Frage ich mich, ob man hier nicht einen Gerhard Schröder unter allen Umständen irgendwie kritisieren möchte. Dieser Mann feiert seinen Geburtstag und ihm steht es frei sich mit seinen Freunden zu treffen – auch wenn dies eben Wladimir Putin ist. Man sollte eben nicht vergessen, dass unsere Sicht der Zustände in der Ukraine nur die eine Seite der Medaille sind. Mittlerweile mehre sich auch öffentliche Stimmen, die sich kritischer mit unserer Berichterstattung auseinandersetzen. So sagte die ehemalige ARD Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz im Interview mit n-tv:

[…] Das Engagement der westlichen Welt und von Russland sollte in der Berichterstattung viel stärker gegenübergestellt werden. Aus meiner Sicht hat der Konflikt damit angefangen, dass versäumt wurde, zu erklären, was das EU-Assoziierungsabkommen für die Ukraine bedeutet. Jeder hätte wissen müssen, dass es die Ukraine zerreißt. Dazu kommt: Anfangs war es fast ein Sakrileg, wenn jemand die Idee hatte, dass Russland mit am Tisch sitzen müsse. Da hieß es: Was hat Moskau damit zu tun? Eben doch eine ganze Menge, wie ich finde. Deshalb sollte man heute deutliche Worte in beide Richtungen finden und nicht holzschnittartig Gut und Böse aufteilen. (n-tv.de)

Nun trafen sich Schröder und Putin also. Die CDU fand später heraus, dass sich auch ihr eigener außenpolitischer Sprecher Philipp Mißfelder auf der Veranstaltung befand. Und prompt steht dieser in der Kritik, das Handelsblatt schreibt sogar:

Ein solches Verhalten sei angesichts der Tatsache, dass Bundeswehrsoldaten in der Ostukraine von prorussischen Milizen gefangen gehalten werden, „eines außenpolitischen Sprechers unwürdig“, heißt es nach Informationen des Handelsblatts in CDU-Kreisen. In der Fraktionsführung sei man der Ansicht, dass Mißfelder in seinem Amt wohl „nicht mehr zu halten“ sei. (handelsblatt.de)

Hier stehen also gleich zwei Leute in der Kritik, weil sie an einem Ort mit Wladimir Putin waren. Es mag sein, dass Schröder Putin umarmt hat, was in der Situation um die Geiselnahme von OSZE-Beobachtern zumindest unsensibel ist. Doch trotzdem stellt sich mir hier die Frage, was denn das Ziel der deutschen Politik ist. Man hat mit Gerhard Schröder einen guten Freund Putins als Ex-Kanzler. Wieso versucht man nicht durch diesen zu Vermitteln? Soll es das Ziel sein, Russland komplett abzuschotten und alle zwischenmenschlichen Kontakte zu Wladimir Putin zu unterbinden?
Sorry, ich kann die gnadenlose Kritik nicht teilen. Im Gegenteil.

Und dass Putin nun heute morgen verlauten ließ, sich für die Freilassung der OSZE-Beobachter einzusetzen hat natürlich nichts damit zu tun, dass Schröder und/oder Mißfelder mit Putin sprachen.

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